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20.10.13 - Matilda |
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Auf diesen Tag habe ich lange gewartet. Nachdem meine Show im März ins Wasser gefallen ist, musste Ersatz her. Und das Warten hat sich mehr als gelohnt. Dieses Musical ist fantastisch!
In dem Stück geht’s um die hochintelligente Matilda, die weder von ihren Eltern noch von ihrer Schulleiterin genügend gefördert wird. Ihre Eltern sind überzeugt, dass TV die beste Bildung ist – entsprechend dämlich ist auch Matildas Bruder. Die Schulleitern schwelgt lieber in Erinnerungen an ihre ehemalige Hammerwerf-Karriere und glaubt, dass „Kinder Maden sind“. Je strenger und angsteinflössender sie erzogen werden, umso besser. Nur Miss Honey ist anders und erkennt Matildas wahres Potenzial. Gemeinsam kämpfen sie sich durch – wobei Miss Honey aber noch eine ganz private Sache mit Miss Trunchbull ausfechten muss.
Wobei die Geschichte im Vergleich zur mir bekannten Filmversion verändert wurde. Während der Show erzählt Matilda der Bibliothekarin eine Geschichte, von der sie gelesen hat (oder die sie erfunden hat?). Und findet schliesslich heraus, dass es die Geschichte von Miss Honey ist. Das bringt sie dazu, ihr zu helfen. Der Schluss, wo die Mafia Matildas Vater jagt und Matilda plötzlich russisch spricht, war auch gewöhnungsbedürftig. Aber sehr lustig!
Erst einmal muss ich einen Dank an Sidonie loswerden. Sie hat mir geraten, nicht zu weit vorne zu sitzen. Grundsätzlich hätte ich mir nämlich die erste Reihe ausgesucht. So sassen wir ungefähr in Reihe 8 (Vollpreis über £80, aber das wars wert), was sich als perfekt herausstellte. Zudem sassen wir am Gang, was für zusätzliche Action sorgte. In der Mitte der Bühne gibt es Treppenstufen und daher nahm ich schon vor Beginn an, dass das ein oder andere Mal jemand durchs Publikum kommt. Dass das aber so oft der Fall ist, hätte ich nicht erwartet.
Ständig kam jemand von der Haupttür oder von der Seite herein oder ging dort ab. Besonders lustig waren die zweimal, als Miss Trunchbull an uns vorbei abging. Dieser eigenartige Gang, der so gar nicht zu dieser bulligen Gestalt passte, war zu komisch! Die „Flugstunde“ fand direkt neben uns statt und ich gebe zu, ich zuckte zusammen als die Puppe von oben herunter fiel.
Interessant ist, dass Miss Trunchbull von einem Mann gespielt wird. In meinem Fall von Alex Gaumond. Ich war sehr neugierig, wie er ist, da er am West End schon so was wie ein Star ist. Er hat vor ein paar Jahren bei ‚Legally Blonde‘ gespielt. Ist aber das einzige, was ich von ihm weiss. Als fiese Trunchbull war er fantastisch! Seine Mimik sprach Bände. Es machte so viel Spass ihm/ihr zuzusehen. Der bei seiner Statur leicht lächerliche Bändertanz, wie er ein kleines Mädchen an ihren (am Rücken befestigten) Zöpfen durch die Luft schleuderte, wie er hilflos zusah, als die Kids die „Herrschaft“ übernahmen… In meinen Augen sass da jede Pointe.
Als Miss Honey stand Haley Flaherty auf der Bühne. Eine verschreckte junge Frau ohne Selbstvertrauen, die es nicht wagt, um ihr Hab und Gut zu kämpfen. Obwohl es das einzige ist, was ihr von ihren Eltern geblieben ist. Schön ist, dass ihre Story durch Matildas erfundene Geschichte vertieft wurde. Man bekommt so mit, was mit ihr passiert ist und warum sie dort gelandet ist, wo sie nun ist. Genauso schön ist es, dass sie sich am Ende endlich ein Herz fasst und für Matilda einsteht.
James Clyde als Vater war der Hammer! Man fand ihn auf Anhieb unsympathisch. Grossartige Sechziger Haartolle, gelb-schwarz karierter Anzug, eingebildete Art und völlige Ignoranz seiner Tochter gegenüber. Wobei der Spruch „I’m a girl“ beim dritten Mal schon fast lustig war, als der Vater wiederholt seine Tochter als Junge angesprochen hatte. Auch cool: Im Musical wird ganz am Anfang Matildas Geburt gezeigt, wo der Grund fürdie Abneigung des Vaters bereits ersichtlich wird. Ihr fehlte „the thingy“.
Die wahren Stars waren aber natürlich die Kids. Ich habe schon oft Kinderdarsteller gesehen. Aber eigentlich immer mit unterstützender Erwachsenenrolle. Bei Matilda ist alles anders! Da stehen neun bis zwölf Kids allein auf der Bühne, singen, tanzen und spielen gleichzeitig. Schon bei der ersten Szene war ich völlig geflasht. Da sass jede Bewegung präzise abgestimmt. Man hat jedes Wort verstanden. Und man hat jedem den Spass auf der Bühne angesehen.
Christina Fray war eine wunderbare Matilda. Wie die die ganze Show von A bis Z geschmissen hat, ist beeindruckend. Stimmungskanone war Emily Robins als Lavender, Matildas beste Freundin. Einige echte Wortwitze gingen auf ihr Konto. Nach der Pause hatte sie ihren ganz grossen Auftritt mit einem kurzen Monolog, wo sie meinte, sie spiele in den folgenden Szenen eine wichtige Rolle für die Handlung, aber sie könne es nicht erzählen, da sie uns die Vorfreude verderben würde. Sie konnte sich dann aber doch nicht zurück halten 
Wer den Bruce gespielt hat, weiss ich nicht mehr. Aber auf jeden Fall hatte der eine richtig gute Stimme. Er musste den „ganzen Kuchen essen“. Ich weiss immer noch nicht, wie das gelöst wurde, dass der Kuchen plötzlich weg war. Und im Finale hatte er einen Solopart, den er richtig gerockt hat.
Insgesamt hat das Musical Ohrwurmfaktor 100. Ich kam raus und hab immer noch die Melodie vor mich hin gesummt – oder hätte gesummt, wenn meine Stimme mich nicht schon seit Freitag im Stich liesse. Aber es ging einigen anderen genauso, die auf der Strasse an uns vorbei gingen.
Eines steht nach diesem Besuch fest: Es war nicht meine letzte Show bei/mit Matilda. Das muss ich mir auf jeden Fall noch einmal ansehen. Jetzt kann ich Juni noch weniger erwarten.
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