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Januar 2013 |
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18.01. – 21.01.13 – Wien
Der Drei-Wochen-Rhythmus hält an… und an… und an… So langsam sollte ich wohl doch nach Wien ziehen, wenn man bedenkt, wieviel Geld ich dafür ausgebe, dorthin zu fliegen… Das Wochenende hat sich jedenfalls mal wieder voll und ganz gelohnt.
Am Freitag gings zum Glück nur mit wenig Verspätung mit dem Flieger nach Wien. Nachdem am Donnerstag wohl die Wiener Flughäfen geschlossen gewesen waren, war ich froh, dass ich trotzdem hin kam.
Kurz nach 12 Uhr checkte ich ein, musste aber noch ein wenig auf mein Zimmer warten. Da es unangenehm eisig kalt war, hatte ich nicht viel Lust, eine Tour über die Mariahilfer zu drehen und setzte mich stattdessen mit guter Lektüre in die Lounge.
Abends ging es zu ‚Elisabeth‘, da ich das Gefühl hatte, Kurosch schon lange nicht mehr gesehen und vor allem gesprochen zu haben. Die Show war genial! Kurzfristig sah ich Jörn-Felix Alt auf der Bühne und er gefällt mir nach wie vor sehr gut als Franz Josef. Kurosch war wie üblich sehr amüsant und wieder war da dieser eine Ton, der in meinen Ohren wehtut. Aber vielleicht ist das ein Fehler an meinen Ohren .
Annemieke schien zu kränkeln. Ihre Stimme kratzte jedenfalls stellenweise ordentlich. Und ich muss zugeben, nach so vielen Karma-Shows war es mal ganz erfrischend, Mark wieder zu sehen. Obwohl ich unterdessen wieder einmal ein ernstes Gespräch über Für und Wider von Besetzungen und Inszenierungen geführt habe, muss ich sagen, dass er mir als Tod gefällt. Nicht so sehr wie ‚mein‘ Tod, aber ich find ihn gut!
Wieder einmal waren es aber die Pannen, die am allermeisten in Erinnerung geblieben sind. Nicht genug, das der Projektor offenbar kaputt war und das Bühnenbild verzitterte. Offenbar ging auch einer der Quick-Changes nicht schnell genug. Der Vorhang schloss sich wie üblich nach den Ehejahren. Doch als der Vorhang sich wieder hob – standen noch zwei Dresser mit Mieze und Jörn auf der Bühne. Der Blick, den Jörns Dresser zum Vorhang warf, war zum Wegschmeissen komisch. Und ich hab noch nie jemanden so schnell hinter der Bühne verschwinden sehen. Im Publikum konnte das jedenfalls für einiges Gelächter sorgen! 
Die folgenden zwei Abende waren Kottingbrunn gewidmet. Die Inszenierung von „I love you, you’re perfect, now change” war ein Muss, als klar wurde, dass Martin Pasching und Oliver Arno dabei sein würden. Ausserdem kannte ich Nicole Rest-Lankmayer kannte ich noch von 2011 in Parndorf und war sehr gespannt auf ihren Gesang, da ‚Don Gil‘ damals reines Sprechtheater gewesen war. Die einzige Unbekannte in der Riege war Karin Seyfried, die mir aber von der ersten Szene an total sympathisch war.
Ich sprang ins kalte Wasser, weil ich keine Ahnung hatte, was mich erwartete und wie die Musik klingt. Aber die beiden Abende waren ein riesiger Erfolg. Untergebracht ist die Kulturszene im Anbau des Wasserschlosses in Kottingbrunn. Im Foyer werden vor der Show und in der Pause kleine Brote gereicht, noch dazu ist es möglich, die Getränke in den Saal mitzunehmen. Die Plätze sind in Fünfergruppen um kleine Tische angeordnet, wo erst einmal Teelichter angezündet wurden, ehe das Stück losging.
Die beiden Musiker bewiesen ab und zu ein wenig Humor und durchs Band Tonsicherheit. Kaum zu glauben, dass mit nur einem Keyboard und einem Saxophon ein Musical gespielt werden kann. Aber sie unterstrichen den Gesang bei jeder Einlage sehr gekonnt. Es kam nie das Gefühl auf, dass weitere musikalische Begleitung fehlte.
Das Musical mit dem deutschen Untertitel „Verliebt, verlobt, verkrampft nochmal“ ist keine durchgehende Geschichte. Vielmehr setzt es sich durch einzelne Szenen zusammen, die immer von anderen Paaren gespielt werden. Zu jeder Szene flimmert ein „Titel“ über den Projektor. Los geht es bei der Vorbereitung zum Date, das Date selber und das anschliessende Warten auf seinen Anruf, den Pflichtbesuch bei den künftigen Schwiegereltern, bis hin zur Hochzeit. Im zweiten Akt erzählen die Szenen von der ewigen Brautjungfer, jungen Eltern und schliesslich dem gemeinsamen Älterwerden.
Der erste Akt dürfte insgesamt gesehen lustiger sein. Im zweiten Akt werden die Szenen dafür zunehmend berührender. Die Musik ist dabei erschreckend eingängig und zu 100 % Ohrwurm-gefährlich. Einzelne Melodien bin ich auch eine Woche später noch nicht losgeworden . Und am zweiten Abend konnte ich die letzten paar Textzeilen schon mitsingen.
Die erste Szene amüsierte, als die vier Darsteller in Mönchskutten auf die Bühne traten. Die Eröffnung sorgte für erstes Gelächter: „Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht. Und Gott sprach: Lasst uns schaffen Mann und Frau. Und er schuf Mann und Frau. Und der Mann fragte die Frau, ob sie heute Abend schon was vorhätte…“ Sehr witzig vorgetragen. Und schon ging die rasante Show los: Zwei klischeehafte Karriere-Typen prallen aufeinander und spielen in einem Quick-Date eine mögliche Beziehungsvariante durch bis zu dem Punkt „wo sie sich nach einem Jahr wiedersehen und feststellen müssen, dass das einfach nichts werden konnte“.
Die dritte Szene „Kerl und Girl“ sorgte bei mir zum ersten Mal für den totalen Lachanfall. Wer hätte gedacht, dass man Oliver mit einem ätzenden Mittelscheitel, einem künstlichen Bauch und Brille tatsächlich hässlich aussehen lassen kann – wobei die Brille gar nicht mal so schlecht war . Der Text des Songs tut ein Übriges dazu: „Mein Bizeps ist kindlich“, nur so als Beispiel in den Raum geworfen .
Und keine Minute später sitzt Oliver als Macho mit Motorradjacke auf der Bühne und versucht sein Date mit sinnlosem Gequatsche über Zündkerzen zu beeindrucken, während sie sich zu Tode langweilt und sich beschwert, dass mit den Männern heutzutage nichts mehr los ist. Daneben passiert das Gleiche zwischen Karin und Martin, wo er sie mit seiner Leidenschaft für Golf nervt.
Anschliessend gehts ins Kino – eine der lustigsten Szenen im ganzen Stück. ER lädt SIE ins Kino ein und lässt sie den Film auswählen. Beschwert sich dann über den „nerventötend friedlichen“ Film, ehe er schliesslich bei der traurigsten Schnulzenszene in unkontrollierte Weinattacken ausbricht. Lautes Gelächter war bei mir vorprogrammiert, während Oliver auf der Bühne das Gesicht rot anlief .
„Die Sache mit der Lasagne“ sorgte für Gelächter und am zweiten Abend sogar für „Zugabe“-Rufe aus dem Publikum. Sehr berührend Karins Solo „Die Liebe zieht ein heut Nacht“. Der anschliessende Besuch von Michi-Oliver mit seiner Flamme bei den Eltern endet unschön mit der (wohl eher vorgetäuschten) Trennung der beiden und den ratlosen Eltern, die im Eifer des Gefechts selbst ihren eigenen Sohn in den Schmutz ziehen. Die Empörung war so richtig Oli live! 
Weiter geht es mit der Telefonszene, wo die beiden Frauen mit der jeweiligen Mutter telefonieren und sich beschweren, dass ER sich nicht meldet. Mein erster Gedanke war: Wenn ihr noch lange telefoniert, KANN er sich ja auch nicht melden . So richtig zum Totlachen war es aber erst, als Herr Arno als Pizzalieferant auf die Bühne trat und Herr Pasching als Mutter.
Und schon wurde mein Kopf gefordert, als es zur „Paar Force“ Partnervermittlung ging und Pasching sein breitestes Wienerisch auspackte. Gut, ich hab das meiste verstanden, wenn ich auch über das ein oder andere Wort schmunzeln musste.
Der erste Akt endet mit der Hochzeit von Oli und Karin, die sich kurz vor der Trauung unsicher werden, ob sie das Richtige tun, dann aber trotzdem Ja sagen. An der gleichen Stelle setzt das Musical nach der Pause wieder ein, wo die beiden glücklich verliebt in die Flitterwochen reisen und die einsame Brautjungfer Nicole ihr Leid klagt. Eindeutig eine Rolle, mit der man sich als Dauersingle identifizieren kann.
Die „Jungen Eltern“ lösten bei mir dann wahre Lachkrämpfe aus! Ich lachte zweimal Tränen. Nicht genug, dass Oliver als Papa Hans in Jogginghosen mit dem Spielzeug seines kleinen Sohnes spielt und seinen Besuch Fred gänzlich ignoriert. Da wäre auch noch die Mutter mit Kissen unterm T-Shirt, die über die Bühne stampft, Olivers Babysprache und vor allem DIE DIAS!! Der kleine Hans, wie er im Auto sitzt, wie er im Auto fährt, wie er im Auto kotzt…. Und wohlverstanden, der kleine Hans ist OLIVER mit BVB-Schnuller im Mund und Häubchen auf dem Kopf… Um es mit Olivers Worten zu sagen: „So ein süsses Baby!!!“ Ich hab mich weggeschmissen!!!
Martin und Nicole erheben Anspruch auf „Sex in der Ehe“, während die Kinder hinter der Bühne (Karin und Oliver) die beiden ständig wieder beanspruchen und nicht in Ruhe lassen: „Mama der Gecko frisst die Goldfische"...
Die „Fahrt ins Glück“ wird alles andere als glücklich, wenn Mama Karin Papa Oliver ständig beim Fahren rein redet. Oliver fordert schliesslich lautstark einen Schleudersitz für seine Frau. „Die Autoindustrie könnte sich dumm und dämlich verdienen“. Und ich fühlte mich stark an meine Kindheit erinnert, als es bei meinen Eltern im Auto ungefähr gleich aussah wie auf der Bühne. Das hat sich erst geändert, als meine Mutter ihr eigenes Auto bekam… 
Nach einem kleinen Einwurf von Oliver in schönstem Vorarlbergerisch und seiner verzweifelten Ansprache über Frauen, die im Schuhgeschäft ewig brauchen, „vergeht die Zeit“. Paschings unendlich berührendes Solo kommt, wo er sich fragt, ob er vielleicht einen Fehler gemacht hat, als er seine Frau geheiratet hat. „Hab ich nicht schon lang genug von dir?“ Als er sie ansieht, stellt er fest: „Nein!“ Und das auch noch mit dieser unvergleichlichen Stimme, die ich so sehr geniesse. Rührung pur! DANKE, Martin!
Mit dem „Datingvideo“ geht es genauso berührend weiter. Karin als von ihrem Mann für eine Ältere verlassene Ehefrau erzählt von dieser Zerreissprobe und bittet den „Videomann“, sich für sie zu entscheiden. Am berührendsten davon ist wohl, als sie erklärt: „Weisst du was? Ich bin OK!" Dabei kämpfte sie am zweiten Abend mit den Tränen. Der Applaus kam an beiden Abenden nur zögerlich, was nur noch mehr zeigt, dass diese Szene ziemlich zum Nachdenken brachte.
Die letzte Szene bestritten Nicole und Martin als alte Leute, deren Partner längst gestorben sind. SIE die verbitterte, einsame Frau, ER ein Mann, der versucht, seine Einsamkeit zu verdrängen, indem er auf dem Friedhof Menschen anspricht. Typischer Charme-Faktor von Martin, der SIE dann am Ende rumkriegt. Nachdem beide ihr Leben gelebt haben, können sie gegenseitig die Macken des anderen akzeptieren.
Der Epilog bringt schliesslich noch einmal zum Lachen. „Bewohner dieser Erde, liebet und vermehret euch, suchet euch einen Menschen zum Verlieben, findet einen Menschen zum Verloben und bemüht euch fortan krampfhaft, ihn zu ändern.“
Ein durch und durch gelungenes Stück und zwei schöne Abende, wo sich Ernsthaftigkeit und Humor gekonnt abwechselten. Wer die Chance hat, es sich anzuschauen: NUTZT SIE! Dieses vierköpfige Team (mit Abendspielleitung/Regieassistent Bernhard Viktorin als gelegentlicher Ergänzung) hat spürbar hart gearbeitet für diesen Erfolg. Ich kann euch versichern, dass dieser Abend sehr kurzweilig wird!
Danke an das Team von Kottingbrunn für diese tolle Projekt-Inszenierung. Es ist immer wieder schön, wenn man die Gelegenheit bekommt, als eingefleischter Fan etwas Neues und Anderes zu sehen.
Danke an Oli, Bernhard, Pasching und die beiden Mädels für diese lustigen Abende. War schön, euch alle wieder gesehen zu haben.
Und ein Danke an Angelika, die mich am zweiten Abend vors Hotel gefahren hat. HDL
Obwohl ich gesagt hatte, dass ich mir „Love You“ nicht noch mal ansehe (weil sich keine Gelegenheit mehr bietet), muss ich die Vorsätze von letzter Woche bereits übern Haufen werfen. Ist aber auch dumm, wenn ich SOWIESO in Wien bin am Dernieren-Wochenende von „Love You“. 
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