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Natürlich Blond - Preview |
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Diese Reise war Überraschung pur in jeder Beziehung. Angefangen hat alles drei Wochen vor der Preview, als mein werter Herr Kollege plötzlich gefragt hat, was ich am 16.2.13 vorhätte und ob ich Lust hätte, nach Wien zu fliegen. Und damit hatte er natürlich einen Nerv getroffen. Wien ist immer eine Reise wert. Allerdings musste ich dann schnell wissen, wie er darauf kommt. Als er meinte, er könne versuchen, die persönliche Einladung zur Preview von „Natürlich Blond“ auf mich umschreiben zu lassen, fiel ich aus allen Wolken. Als Vertriebspartner der VBW ist es nichts Neues, dass wir eine Einladung bekommen. Aber bisher hatte ich nie die Chance, eine solche Einladung wahrzunehmen.
Und plötzlich bekam ich von den VBW Bescheid, dass ich gerne kommen dürfe. Ich hatte keine Ahnung, was ich von dieser Show erwarten durfte. Und das beschränkte sich nicht nur auf meine Vorbehalte dem Stück gegenüber. Was sollte man anziehen? Wo würde ich sitzen? Irgendwo in der hintersten Reihe mit eingeschränkter Sicht vielleicht?
Umso perplexer war ich, als ich am 16. Februar ankam, mein Ticket überreicht bekam und feststellte, dass ich in der ersten Preiskategorie, 2. Rang, 1. Reihe rechts sitzen würde. Schnell die Jacke abgegeben, dann an den angebotenen Getränken und Sandwiches bedient und schon ging es los.
Was die Show betrifft, hatte ich einige Vorbehalte. Bisher kannte ich nicht mehr als die Broadway-Aufnahme, die es auf Youtube gibt. Die Harmonien der Songs schienen da nicht alle zu stimmen. Und mir war alles viel zu amerikanisch.
Aber musste ich einmal mehr feststellen, womit ich längst gerechnet hatte: Verlass dich nicht auf Aufnahmen, live ist alles anders. Vorausgeschickt: Die Show in Wien ist ein absolutes Muss für Musicalfans! Was alle anderen Theaterbesucher betrifft so bin ich mir nicht sicher, ob sich Natürlich Blond wirklich halten kann. Das Stück passt eben irgendwie einfach nicht nach Wien. Ich glaube, Wien ist eher ein Spielort für Musicalklassiker, bzw. etablierte Stücke. Elisabeth, Rebecca, Rudolf, das sind die Stücke, die da hinpassen wie die Faust aufs Auge. Natürlich Blond dürfte meiner Meinung nach ein Risiko sein. Aber ein Risiko, das sich lohnt, eingegangen zu werden.
Die ganze Show ist enorm rasant! Beim ersten Besuch bleibt gar nicht die Zeit, auf Details zu achten. Viel zu sehr ist man darauf konzentriert, textlich alles mitzubekommen. Erstaunlicherweise war aber alles sehr gut zu verstehen, mal von den wenigen Stellen abgesehen, wo der Ton geschlafen hat. Aber diese Anfangsschwierigkeiten dürften bald ausgemerzt sein.
Die Musik des Stücks ist alles andere als unharmonisch. Im Gegenteil. Live hat sich die Musik als echter Ohrwurm erwiesen. Und ich mag das immer, wenn die letzte Melodie im Ohr bleibt, wenn ich das Theater verlasse. So hält die Erfahrung ein wenig länger an. Einzige Melodie, die mir absolut gar nicht zusagte, war „Blut in den Kiemen“. Aber es gab bisher in fast jedem Stück ein Lied, das ich nicht mochte. Und wer weiss, vielleicht mag ich es ja irgendwann. Besonders mitreissend waren bisher „Oh mein Gott“, „Besser als zuvor“ und „Natürlich Blond“. Und „Peitsch dich in Form“ lockte das Publikum zum ersten Mal ein wenig aus der Reserve und es wurde mitgeklatscht. Sehr genial, besonders auch der Einsatz der „Pausentaste“. Zu lautem Gelächter verleitete „Schwul oder Franzose“ (heisst der Song überhaupt so?). „Das ist so blöd, dass es schon wieder lustig ist“, sozusagen. 
Die Übersetzung war zu meiner Erleichterung wirklich gut. Die Wortwitze kamen gut an – besonders im zweiten Akt. Und ich freu mich drauf, mir beim nächsten Mal mehr davon einzuprägen. Das einzige, was ich im Musical bislang schmerzlich vermisse, ist die „Nerv mich nicht mit deinen Vorjahres-Prada-Schuhen, Häschen“ Sequenz, die ich im Film so endgeil finde. So findet Elle dort heraus, dass der Poolboy schwul ist. Im Musical läuft das anders – und damit kann ich mich bisher noch nicht ganz anfreunden. Aber das kommt bestimmt noch (bei Sister Act konnte ich mich anfangs auch nicht an „Nonnen habens gut“ gewöhnen).
Die Bühne dürfte identisch sein mit der Aufnahme, die ich vom Broadway gesehen habe. Besonders die „Hallen von Harvard“ wirkten eigenartig dreidimensional. Und der „Lichteinfall“ auf die Bühne ist genial durchdacht. Aber wie gesagt war ich so abgelenkt von der Haupthandlung, dass wenig Zeit blieb, wirklich darauf zu achten.
Zum Orchester der VBW muss wohl nichts mehr gesagt werden. Im Vorfeld wurde bereits Werbung dafür gemacht, dass Natürlich Blond in Wien
mit dem bisher grössten Orchester gespielt wird. Und wie zu erwarten war, klang es fantastisch! An ein oder zwei Stellen kam es mir vor, als wäre der Ton der auptdarsteller etwas zu schlecht abgemischt, weil sie fast nicht zur Geltung kamen. Das kann aber an meinem Platz gelegen haben – noch ein Grund mehr, warum ich Parkett bevorzuge.
Die Hunde spielten zumindest in meiner Aufführung mit wie es geplant war und ernteten Szeneapplaus, besonders „Brutus“, der auf Kommando bellte und dann prompt falsch verstanden wurde. 
Bleibt der letzte Punkt der „Tagesordnung“ in meinem Bericht: Die Cast! Wieder einmal beweisen die VBW, dass sie wissen, was sie tun und wie sie es tun. Das Stück scheint auf den ersten Blick perfekt besetzt zu sein. Es gab einige neue Namen auf der Castliste, aber auch altbekannte Gesichter, auf die ich mich enorm freute.
Anja Häseli gab das „dumme Blondchen“ und ich musste an November denken, als ich ihr gesagt hab, dass ihr das nicht steht. Zumindest nicht in der Rolle bei Sister Act. Das war der erste Schock des Abends. Denn woher hätte ich wissen sollen, dass sie eine Perücke bekommt – und noch dazu eine blonde? Und somit klappte mir erst mal der Mund auf, als sie das Musical eröffnete. „Margot“ hat zum Glück offenbar noch ein bisschen mehr im Hirn als „Petra“ – nämlich Muskelkater . Insgesamt wirklich sehr lustig und einige der Wortwitze gingen auf ihr Konto.
Sidonie Smith als Pilar hatte zum Glück ein paar Gesangseinsätze, wo ihre Stimme zur Geltung kam. Ebenso wie Birgit Wanka als Serena, die ich bisher nicht gekannt hatte. Besonders Sidonie machte in den Tanzszenen eine gute Figur, egal ob in Cheerleader-Outfit oder Catsuit-ähnlichem Aufzug. Ich freu mich schon, nächstes Mal ein wenig mehr Zeit zu haben, um auf die beiden zu achten.
Hendrik Schall war als Warner wunderbar blasiert. Sehr geil war die Szene im Restaurant „Ich war noch nicht fertig!“. Insgesamt genau der Warner, den man erwartet, mit dem kleinen Zusatz, dass er eine gute timme zu haben scheint.
Sanne Mieloo als Warners Freundin und später Verlobte ivienne war sagenhaft! Ich wusste schon von Elisabeth her, dass sie eine gute Simme hat – aber eher in der Theorie, als dass ich es je wirklich gehört hätte. Aber als sie in „Natürlich Blond“ so richtig loslegte, bekam ich recht grosse Augen. Dazu kam, dass sie dann (war das in der Zugabe) noch einen drauflegte und ich viel zu lange nach der Quelle dieser geilen Stimme suchen musste.
Dass Linda Geider als Brooke eine geniale Stimme hat, weiss ich seit dem Musicalsommer Amstetten. Doch es ist ihr enorm hoch anzurechnen, dass sie einen langen Atem hat. Keine Sekunde verzitterte ihre Stimme bei „Peitsch dich in Form“. Geschweige denn, dass sie ausser Atem wirkte. Da scheint das Springschnurtraining ins Schwarze getroffen zu haben. Hut ab!
Alexander Goebel in der Rolle des Prof. Callahan war schön schmierig und aalglatt. Insgesamt aber die Rolle, die mir am wenigsten gefällt. Da kann Alexander nichts dafür, das liegt an der Rolle. Dazu mehr, wenn ich mich ein wenig dran gewöhnt habe .
Daniel Rakasz hatte mehrere Rollen. Ich weiss nur leider nicht mehr, welche er alle gespielt hat – dafür kenn ich sein Gesicht noch zu wenig. Fest steht, dass er als Kyle ein Hammer war. Da wurden in Publikum Pfiffe laut, es wurde gejohlt und gelacht. Sehr klischeehaft 
Den Emmett gibt Jörg Neubauer. Ihn hatte ich in Stuttgart als Frank Crawley gesehen, wo er mich nicht voll überzeugen konnte. Umso überzeugter war ich diesmal. Er hat eine tolle Stimme, passt perfekt in diese Rolle und harmonierte wunderbar mit Babsi. Er hatte einige wunderbare Wortwitze. Am meisten in Erinnerung geblieben ist mir aber „Hello Kitty!“, als er in Elles Zimmer tritt. „Trag es wie ein Mann“ war wunderbar.
Lässt mich zu den zwei Heldinnen des Abends kommen. Denn das erste Mal brausenden Applaus gab es, als Ana Milva Gomes als Paulette auftrat. Ihre Hymne auf Irland lässt mir (zu einem Achtel Irin und stolz auf meine Wurzeln) das Herz aufgehen! Zudem war es echt gänsehauttreibend, ihre Stimme zu dieser ganz besonderen Musik zu hören. Da war ein Timbre, das mich echt berührt hat. Ich kannte diese Seite von Anas Stimme zwar schon, hab sie aber nie so bewusst wahrgenommen. Ein echter Traum!
Zudem hatte Paulette vom Buch her ständig die Lacher auf ihrer Seite, sorgte für Zwischenapplaus und stellte sich als echte Stimmungsmacherin heraus. Insgesamt gefiel mir diese Rollenführung eindeutig besser als die im Film. Sie ist vielschichtiger geworden und irgendwie… berührt sie. Aufgrund der Filmvorlage konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie Ana da rein passt. Jetzt weiss ich es .
Spezielle Erwähnung und Hochachtung verdient aber natürlich die Hauptdarstellerin. Barbara Obermeier war von Anfang an meine perfekte Elle Woods. Schon als ich die Gerüchte habe läuten hören, dass Natürlich Blond nach Wien kommen soll, war Babsi mein erster Gedanke. Ich erinnere mich, wie eine gewisse Person mir das ausreden wollte – sie war aber ausnahmsweise erfolglos. 
Und so genoss ich Babsis Vorstellung auf der ganzen Linie. Endlich kann sie alle Facetten ihrer Stimme einsetzen. Spielen, was das Zeug hält und dabei für richtig gute Stimmung sorgen. Da gibt es so viele neue Seiten an dieser Person zu entdecken, dass ich meine nächste Show kaum erwarten kann. Wie ich schon auf der Aufnahme feststellen musste, hat Elle keine einzige freie Minute im ganzen Stück und ich frage mich nach wie vor, wie man das schafft. Leider bekam ich die Blondine des Abends nach der Show nicht zu fassen, um sie danach zu fragen. Aber diese Gelegenheit wird sich bestimmt noch bieten.
Bleiben die Ensemble-Darsteller, die ich leider nicht alle erkannt habe. Dafür sind zu viele neue Gesichter dabei.
Toll war aber auf jeden Fall meine Katja Berg. Wie lange hatte ich auf diese Gelegenheit gewartet? Das letzte Mal auf einer Bühne gesehen habe ich sie Mitte/Ende 2007!! Es schockiert mich selber, dass das so lange her ist. Dabei vergöttere ich ihre Stimme. Und ich bin jetzt schon gespannt auf ihre Paulette. Im Ensemble hat sie einiges zu tun und ist eigentlich ständig auf der Bühne.
Genauso auch Peter Kratochvil, der mir besonders in der Harvard-Jury in Erinnerung geblieben ist. Lange gesucht habe ich im Ensemble nach Armin Kahl. Natürlich fiel er auf, als er mit Katja zusammen Elles Eltern spielte, hatte auch in paar Zeilen zu singen. Doch danach tauchte er irgendwie unter und ich hab ihn nicht mehr gefunden – bis zum Finale, wo er in PINK-ROSA auf der Bühne stand. Gut, jeder stand in pink auf der Bühne (Babsi glitzerte wieder mal), doch irgendwie brachte mich Armins Aufzug in dem Moment wirklich zum Lachen.
Ebenfalls sehr durch ihre Wortwitze aufgefallen ist Anouk Roolker. Ihre Enid blieb im Gedächtnis. Wie sie die Lesbe gab, war einfach zum Schiessen komisch!! Und wenn es nur ein „Machs noch mal“ war nach dem „Knick und Pop“ von Babsi. Wie sie das Gymnastikvideo noch etwas weiter laufen liess. Oder wie sie im ersten Akt Vivienne verfolgte… Diese Rolle lockert in jeder Situation auf. Man kann nicht ernst bleiben, wenn sie loslegt. Bei Sister Act ist sie mir nie besonders aufgefallen, aber ich schätze, das wird sich jetzt ändern .
Nach der Show war ich ziemlich geflasht und muss nach diesem genialen Abend wirklich sagen, dass das Stück süchtig machen kann – mal wieder hatte meine liebe Berliner Freundin recht… Jedem, der sich gern unterhalten lässt und mit einem beschwingten Gefühl das Theater verlassen will, kann ich nur eines raten: HINGEHEN!
Das Stück ist es eindeutig wert, dass sie Erfolg hat. Doch offenbar bin ich nicht die einzige, die am Standort Wien zweifelt. Ich drücke jedenfalls die Daumen, dass die Musik, das Buch und vor allem die Cast trotz llem dafür sorgen, dass dieses Theater oft und lange ausgebucht sein wird. Es äre schade, wenn diese tolle Show ein Flop wird. Das Creative Team und die ast haben den Erfolg wirklich verdient. Und das Orchester auch .
Ein Dankeschön an Sidonie und Anja für die Zeit nach der how! Und ein noch viel grösseres Dankeschön an die VBW, dass ich überhaupt kommen durfte. |
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