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Oktober 2010 |
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06.10.2010 / Hello… Wien! Oh Hello… Oli!
Es ging zu "Hello Dolly" an der Volksoper. Wir sassen in Reihe 10, Mitte, was immer noch zu nah an der Bühne war. Ich habe daher beschlossen, es aufzugeben, Plätze weit hinten zu buchen. Es lohnt sich nicht, denn es ändert nichts an den Tatsachen (*Biggi-angrins*). Das Durchschnittsalter des Publikums wurde durch uns scheinbar stark gesenkt. Wir sassen mitten unter Rentnern.
Am ersten Abend war es ziemlich schwierig, sich schon eine Meinung über das Stück zu bilden, deshalb folgt meine „Beurteilung“ zu Hello Dolly auch erst zum Schluss. Einige Sprüche sind aber trotzdem geblieben und seither Running Gag bei Biggi und mir: „Barnaby, sie ist Witwe!“ –„Wirklich? Gratuliere!!!“ Barnabys „Heiliger Strohsack“ und „der Walfisch“ brachten ständig zum Lachen.
Fazit des Abends: Kaum zu glauben, aber Oliver KANN tanzen!
07.10.10 / Volle Ladung „Tanz der Vampire“
Da Biggi Geburtstag gehabt hatte, wollte ich sie mit einer Backstage-Führung überraschen und buchte die ein paar Tage bevor wir in Wien ankamen. Als Biggi mich dann aber ungefähr zur selben Zeit fragte, ob denn die Führungen noch durchgeführt werden (weil ich ihr von meiner letzten erzählt hatte), kam ich in Bedrängnis. Und da mich meine ungeduldige beste Freundin nicht in Ruhe liess, fand sie es letzten Endes einen Tag vor der Abreise raus.
Tagsüber machten wir eine Stadtrundfahrt mit dem Fiaker (wer in Wien ist, muss das einmal gemacht haben). Wir haben uns zwar dumm und dämlich gezahlt, 65 Euro für 40 Minuten, aber das wars trotzdem wert. Die Fotos wurden durch das Ruckeln der Kutsche zwar nix, aber egal!
Anschliessend setzten wir uns gemütlich ins Café zum Ronacher und genossen die Sonne, solange sie noch da war. Dann ging zur Abendkasse, um unsere tausend Eintrittskarten abzuholen. Als ich die Abendkasse betrat, blickte mir die Mitarbeiterin entgegen, die ich schon von Mai her kannte. Sie fängt an zu grinsen: „Moment, sagen Sie nichts… Sie kenne ich doch!“ Bis sie von alleine darauf kam, wie ich hiess und dass ich „nicht mit Michelle Hunziker verwandt bin“. Biggi und ich amüsierten uns königlich! Weiter gings zum Seiteneingang, wo die Führung des Theaters startete.
Führung Ronacher
Unser Führer war ein anderer als ich das letzte Mal gehabt hatte. Ausserdem waren wir nur eine Gruppe von fünf Personen, das letzte Mal waren es vielleicht 20 gewesen.
Er fragte uns gleich zu Beginn, wie oft wir es gesehen hatten. Alle nannten ihre Anzahl, nur ich blieb stumm. Er hatte aber genau mitgekriegt, dass ich nix gesagt hatte und schaute mich fragend an. Ich: „Wollen Sie das wirklich wissen? 20 mal!“ Er: „Hier?????“ Ich: „Nee, sechs Mal hier und 14 Mal in Berlin…“ Er: „Ahhh die Konkurrenz!!!“ Ich: „Damals spielte es hier noch gar nicht, also gilt das nicht!“ Er grinste und stimmte zu.
Zuerst ging es wieder in den Zuschauerraum, wo er einiges an Geschichte des Theaters erzählte. Dieser Guide ging aber nicht gross auf Jahreszahlen ein, sondern erzählte eigentlich nur, welche Shows schon wie lange gespielt hatten. Er hielt sich wesentlich kürzer, als ich das von Januar kannte.
Und schon ging es auf die Bühne, wo er uns einiges zur Technik erzählte. Dabei fanden wir heraus, dass der Leiter, der am „Befehlstisch“ sitzt wohl Holländer ist, da ein holländischer Spruch daneben hing. Ausserdem konnten wir die Zähne von Alfred und Sarah begutachten.
Wir verbrachten definitiv mehr Zeit auf der Bühne als bei meiner letzten Besichtigung. Zudem erklärte er uns die Bedeutung der Kleber auf dem Boden, die wir dann im Detail begutachteten. Merkzeichen für Stühle, Tische, Badewannen, etc. Und wir warfen detailierte Blicke in den Schnürboden, wo ich unter anderem die massive Grabwand erspähte.
Ausserdem spähte ich in die „Schlafzimmer“ von Alfred und Sarah, begutachtete den Korb mit Knoblauch und durfte zu meiner grossen Freude die Salami schwingen. *grins*
Es ging in die Garderobe, die wir leider nicht betreten durften. Dafür zeigte der Führer ein paar Umhänge und Röcke detailiert, indem er sie von der Stange holte. Und erklärte die genauen Aufgaben eines Dressers. Da ich ja immer noch einen Job im Backstage-Bereich suche (*gg*), wurde ich aufmerksam. Als er aber meinte, die seien alle gelernte Schneider/innen, musste ich zugeben, dass das nix für mich wäre. *grins*
Es ging weiter in den oberen Stock, wo wir mehr als nur einen Blick in die Maske werfen durften. Er holte uns tatsächlich in den Raum, wo es wieder unzählige Dinge zu sehen gab. Ich fragte mich, wem wohl die langen blonden Haare gehörten und kam nicht auf die Idee, dass es die von Herbert sein könnten, bis er es bestätigte. Ein Schnauzer wurde für abends aufgekämmt und wir durften zusehen. Ausserdem entdeckte ich die Vorlagen für Svens „Glatzen-Tattoo“. Als wir an dem Lagerraum der Perücken vorbei gingen, konnte ich erkennen, dass gerade Maikes Final-Perücke aufgekämmt wurde, mit den lustigen Eichhörnchen-Puscheln.
Anschliessend ging es in den Keller, besser gesagt, die Unterbühne. Während wir in der Maske gewesen waren, war bereits das Wirtshaus auf die Bühne gehoben worden.
Wir wurden darauf hingewiesen, dass wir uns im schwarz-gelb gekennzeichneten Bereich aufhalten sollen. Kurz darauf sahen wir, warum. Die Unterbühne hob sich, auf der einige Techniker und Bühnenbauer standen. Der Führer: „So sehen Männer bei der Arbeit aus!“ Allgemeines Gelächter auf der Hebebühne und bei uns. Dann zeigte er uns ganz kurz den Lift, mit dem der Graf allabendlich von der Bühne verschwindet und auf derselben wieder auftaucht. Das war das einzige Detail, das eine Wiederholung für mich war. Der ganze Rest war auch für mich total neu gewesen.
Bevor wir wieder in den Zuschauerraum zurück kehrten, durften wir einem der Techniker zusehen, der das Eis für die Nebelmaschinen umlud. Und uns wurde erklärt, dass der Nebel durch die grossen, silbernen Schläuche (die verlaufen überall auf der Unterbühne) auf die Bühne geleitet wurden.
Dann ging es zurück in die Garderobe und wir holten unsere Jacken ab. Alles in allem eine sehr kurzweilige Stunde und der Führer war ein amüsanter, humorvoller Mann gewesen, der bestimmt keine Langeweile aufkommen liess. Er fragte mich anschliessend noch, ob ich die Führung schon mal gemacht hatte, worauf ich ihm erklärte, dass es ganz anders gewesen war.
Die Show
Plätze in Reihe 7, inoffiziell 9, zwei Plätze vom linken Mittelgang entfernt. Unsere Sicht war super und die Show genial! Da Biggi die Show das erste Mal sah, betrachtete ich das Ganze auch wieder aus einem anderen Blickwinkel. Zum ersten Mal fiel mir die ein oder andere Panne auf. Ich achte ja ehrlich gesagt immer extrem drauf, weil mir bei den Vampiren nie was auffällt. Aber auch diesmal waren es nur Tonfehler, die auffielen.
Sebastien Smulders – hat sich extrem entwickelt. Er hat einen tollen Alfred gegeben. Letztes Mal kam er mir ausdruckstechnisch noch sehr einseitig vor, was sich aber stark verändert hat. Besonders die Gruft-Szene war unglaublich lustig!! Betretene, entschuldigende, schuldbewusste Blicke… es hat grossen Spaß gemacht, ihm zuzusehen! Biggi und ich lagen besonders in dieser Szene fast am Boden vor Lachen. Ein definitives Highlight des Abends! Ausserdem ein tolles und sehr berührendes „Für Sarah“, wo mir die Tränen kamen.
Er hat sich einmal versungen, nämlich bei „Wenn Liebe in dir ist, dann springt aus dir Musik“, wo er spricht/singt verkuppelt hat. Ausser meiner „Hä?“-Reaktion hat es keiner mitbekommen!
Gernot Kranner – genial wie immer, sogar noch eine Spur lustiger. Vielleicht lag es auch nur an Biggi, die sich neben mir vor Lachen fast auf den Boden geworfen hat, dass ich an dem Abend ein paar Mal mehr gelacht habe. „Wahrheit“ hat extrem viel Applaus geerntet, ebenso die Gruft-Szene, wo sonst nie geklatscht wird, bevor James aus dem Sarg steigt. Besonders überrascht hat mich sein „Wut“-Anfall in der Gruft. Das war noch nie so intensiv und lustig gewesen. Ich konnte so richtig herzlich lachen!
Besonders toll war das Zusammenspiel von Gernot und Sebastien. Es kam mir vor, als würden die beiden sich richtig gut verstehen.
Christina – eine absolut tolle Sarah! Stimmlich überzeugend, schauspielerisch genial. Einige Facetten, die ich bei anderen Sarahs ab und zu vermisst hatte, hat sie wunderbar herausgebracht. Vor allem ihre Gesichtsausdrücke bei „Du bist wirklich sehr nett“, wo sie eigentlich mehr Alfred verarscht als das „Einsperren“ ernst zu meinen. Sie zeigte, wie sich Sarah amüsiert darüber, dass Alfred ihr alles glaubt. Und ihr Gesichtsausdruck bei „Gott sei Dank du lebst“ war kokett, mehr Frau als Mädchen, was der Rolle aber gut steht!
Alexander di Capri – ein guter Graf. Ich hatte ihn schlechter in Erinnerung, als ich ihn diesmal fand! Seine Stimme ist für meinen Geschmack eine Spur zu hoch – worin Biggi und ich uns zum ersten Mal uneinig waren.
Aber er hat die Rolle gut gespielt, mehr Facetten gezeigt, als andere Grafen und die Songs super umgesetzt. Er hat eine rockige Stimme und das passt wunderbar. Die Überraschung bei seinem Schlusston im „Finale 1. Akt“ sorgte bei Biggi und mir für offene Münder. Wo er die Luft hernahm, um den Ton so lange zu halten, war uns schleierhaft, wir haben in der gleichen Zeit bestimmt dreimal geatmet.
Maike – Es tat richtiggehend gut, sie wieder auf der Bühne zu sehen. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie sehr ich sie vermisst hatte. Ich hätte Biggi nicht erklären müssen, auf welchen Positionen Maike tanzt, denn sie hätte sie sowieso auf den ersten Blick gesehen. Frau Schmidt ist nun einmal nicht zu übersehen! – soviel zum Thema Auffälligkeit, Maike… *zwinker*
Besonders im zweiten Teil genoss ich ihr Schauspiel. Vor dem zweiten Akt erwähnte ich Biggi gegenüber, dass Maike in der Ahnengalerie sitzt. Und als das Licht anging kam von Biggi nur: „Boah!!!! Hat die ne Perücke auf!!!“
Schon als Maike bei „Ewigkeit“ den Kopf aus dem Sarg streckte, kicherten Biggi und ich synchron los. Als tollpatschiger Vampir ist sie einfach der absolute Hammer! Ihre Verrenkungen sind göttlich – noch besser aber, wenn sie vorgibt, sich nicht mehr bewegen oder aufrichten zu können. Der Runing Gag mit Nick, der ihr immer wieder beim Aufrichten hilft, ist absolut gelungen. Ausserdem hatten die beiden sich auf der Bühne ganz doll lieb, was Biggi und ich zu komisch fanden.
Dass Conny im Ballsaal in Ohnmacht fällt, fiel mir erst in dem Moment wieder ein, als sie schon auf dem Bühnenboden lag und Maike ihr Luft zufächelte. Ein weiterer Ausbruch von Biggi! Kathi suchte unter dem Bett nach ihrem Mann und Biggi fiel fast vom Stuhl, als sie mit der Salami zuschlug, die wir kurz davor noch auf dem Rundgang in der Hand gehabt hatten.
Biggi war Unterhaltung genug an diesem Abend. Wie könnte es auch anders sein, wenn man es das erste Mal sieht. Ab und zu brachte sie mich mehr zum Lachen als die Jokes auf der Bühne. Z.B. wenn der Holzblock zu Boden fällt während Wahrheit, wenn die Gastleute den Knoblauch unschuldig über die Schulter werfen, wenn Alfred den Professor in der Bibliothek wiedertrifft, als Alfred vor Herbert flüchtete und wieder auf der Bühne ankam… Ich habe Biggi genauso genossen wie die Show selber!!
08.10.10 / IwnniNY…..
Wir mussten nicht weit und nahmen daher noch nicht mal eine Jacke mit. Zweimal umfallen und wir waren in unseren Theater-Sitzen im Raimund.
Schon als wir eintraten, erkannten wir am Merchandising Stand unseren Guide der Ronacher-Führung. Wir haben daher gegrüsst und er hat Biggi sofort gefragt, wies ihr gefallen hat, da er mitgekriegt hatte, dass sie Vampire das erste Mal gesehen hatte.
Schon da fing er an, Werbung für seine CDs zu machen. Da er schon am Tag davor einen Spruch von wegen Vampir-Konkurrenz in Wien gebracht hatte, fiel der Spruch gleich noch mal in Zusammenhang mit meinem NY-Besuch in Hamburg. „Ich hab die CD aus Hamburg…“ – „Ahhhh, Konkurrenz, die ist nicht so gut wie unsere!“ Wir lehnten aber erst mal ab und dann gings (zu Fuss) in den zweiten Rang. Nachdem mir meine Füsse und Beine sowieso schon weh taten, war das noch das Tüpfelchen auf dem i. Ich war froh, anschliessend zwei Stunden sitzen zu können.
Das Durchschnittsalter der Zuschauer lag so ungefähr bei 45-50 Jahre. Die Besucher neben uns hielten es nicht mal für nötig, zu klatschen. Sowas hatte ich in Wien nicht erwartet.
Die Show war vom ersten Takt an Klasse! Einige Veränderungen fielen mir auf, obwohl ich die Show nur einmal gesehen hatte. Jokes aus Hamburg wurden geändert, umgeschrieben oder weggelassen.
Die Ouvertüre war neu. Ebenso geändert wurden „Aber bitte mit Sahne“, „Gib mir deine Angst“ (jetzt neu ein tolles Duett!), „Rest deines Lebens“. Die „Merci Cherie“-Szene hat meiner Meinung nach an Witz verloren! Ebenso ging der Witz des „Pin-up-Fotografen“ in Hamburg verloren, da der Wiener Axel „nur“ Tierfotograf ist. Andererseits hatten Andreas‘ Dschungel-Jokes eine Doppelbedeutung, wenn man an sein Engagement als Kerchak in „Tarzan“ denkt („Ich habe schon ganz andere Dschungel erlebt!“). Und das Ende in Form einer „Doppelhochzeit“ wurde ebenfalls geändert, denn Lisa und Axel heiraten in Wien nicht.
Ann Mandrella war eine tolle und stimmgewaltige Lisa. Knallharte Business-Lady, die sich zur romantischen Frau wandelt und erkennt, was ihr im Leben am wichtigsten sein muss. Traumhafte Auftritte, schöne Kostüme und stimmlich herausragend!
Andreas Lichtenberger war ein amüsanter, trocken-humoriger Axel. Ich hatte bisher keine Ahnung, dass er ein so komisches Talent hat, auch wenn Bill bei Mamma Mia damals ganz lustig war. Seine Jokes kamen alle an. „Sind sie einfach so hinaus spaziert?“ – „Nein, sie haben sich mit nem Löffel nen Tunnel gegraben…“ Biggi und ich mussten unweigerlich an Monte Christo denken -- „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss“, das Biggi und mich fast von unseren Stühlen fallen ließ. Ansonsten bewies er absolut geniales Schauspieltalent und gute Stimmqualitäten. Kaspar, den ich in Hamburg gesehen hatte, kann einpacken.
Der kleine Florian war ulkig und „voll fett“, gute Stimme, gutes Rhythmus-Gefühl. Seine Jokes landeten alle und „66 Jahre“ war ein tolles Highlight der Show.
Die beiden Alten vermittelten ihre Story wundervoll und bewiesen beide gutes Gesangstalent. Besonders Otto gefiel mir gut, der einen humorvollen, aktiven, wenn auch leicht handicapierten Otto (die Rückenschmerzen beim Heiratsantrag) darstellte. Besonders sympathisch fand ich seinen leicht wienerischen Dialekt.
Andreas Bieber gab einen hervorragend schwulen Fred, obwohl ers gar nicht ist. „Ehrenwertes Haus“ und „Griechischer Wein“ sind weiterhin meine persönlichen Highlights. Ausserdem fielen Biggi und ich fast vom Stuhl bei seinem „Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein!!!“ Wir konnten beide nicht mehr vor Lachen und die Zuschauer um uns her lachten mehr über uns als über Andy.
Ausserdem fiel mir auf, dass in Wien mehr Casties auf der Bühne stehen als in Hamburg. Das gefällt mir extrem gut, da die Bühne dann anständig voll ist, auch wenn die Bühnengrösse im Raimund im Augenblick nicht ausgenützt wird.
Und Biggi und ich konnten herzlich lachen, als die Navi-Sequenz gespielt wurde. Ich war regelrecht froh, dass die nicht gestrichen wurde, denn die find ich einfach nur GEIL!
Nach der Show fanden wir uns noch einmal am Merchandising Stand ein. Ich hatte mich entschlossen, die neue Wiener Aufnahme von NY zu kaufen. Der nette Herr freute sich sehr, uns noch mal zu sehen. Er fragte, wie es gefallen hatte und ich erwähnte meinen Eindruck, dass in Hamburg zu wenig Leute auf der Bühne stehen. Er fing an zu lachen. Ich: „Die Stage wird je länger je sparsamer!“ Er: „Ja, unsere Bühnen sind voll! Da tut sich was!“ Ich: „Ja, dann ist ja auch mal was zu sehen und dann ist es spannend!“
Er fing von Neuem an, Werbung zu machen und uns diverse CDs schmackhaft zu machen. Es fing alles mit Tanz der Vampire an. Er hatte die Highlights, die Gesamtaufnahme von ‘97 und die neue Aufnahme da. Nur gab es folgendes Problem: die Highlights hab ich schon, auf der Gesamtaufnahme ist Prayer nicht drauf, und in der neuen Fassung gefallen mir die Hauptdarsteller nur bedingt. Die gleichen Probleme hatte Biggi. Also gab es keine Vampir-CD für uns.
Er versuchte es mit Rudolf und wunderte sich, dass ich auch dort schon ausgestattet war. Biggi kannte es nicht und somit war es auch für sie vom Tisch.
Rebecca fand auch keinen Anklang, weil ich auch das schon hatte und Biggi es nicht gesehen hatte. Dann erst kam er auf die Idee, uns Elisabeth schmackhaft zu machen. Da mussten wir dann doch beide lachen, weil es bei Elisabeth doch nun wirklich nichts mehr gibt, was wir nicht haben oder kennen. Und dass ich die „Sammler-Edition“ der DVD hatte, konnte er auch kaum glauben.
Unterdessen hatte ich bereits erwähnt, dass mir Thomas Borchert und Uwe Kröger gar nicht bis teilweise gefallen.
Dann entdeckte ich die Dracula CD in der Vitrine und beschloss, die nun doch noch zu kaufen, da sie um einiges günstiger war als im iTunes-Store. Er: „Das ist tatsächlich die letzte. Wenn Sie die wollen, müssen sie die aus der Vitrine mitnehmen.“ Ich: „Ok, gekauft!“ Er: „Da sind aber Thomas und Uwe drauf…“ Ich: „Ich weiß…“ Er: „Das hätte ich nicht erwartet!“ und übergab mir die CD und zusätzlich eine gratis Rudolf-Tragtasche und Bonbons.
Nun kam aber der Knaller: „Oh, ich weiss etwas, das Sie garantiert noch nicht kennen! (er schien sich diebisch zu freuen…) Oder haben sie schon mal… vom Grafen von Monte Christo gehört???“ Er erwartete allen Ernstes ein Nein als Antwort. Ich verkniff mir ein Grinsen. „Selbstverständlich, sogar schon öfter gesehen. Ich bin schliesslich aus Zürich!“ Er stutzte erst mal: „Das ist jetzt nicht Ihr Ernst?!!!“ Ich: „Doch!“ Er: „Das glaub ich nicht!!“ Ich: „Soll ich Ihnen meinen Ausweis zeigen?“ Da ich sowieso den Geldbeutel in der Hand hatte, kramte ich danach, stellte dann aber fest, dass ich ihn gar nicht dabei hatte. Also beschloss ich, was ich sonst ja nie tue, ein wenig Schweizerdeutsch zu reden, was ein Wiener ja in der Regel versteht. Er: „Das ist ja erstaunlich! Ein sehr sympathischer Zug!“
Nach einer gefühlten Stunde konnten wir uns losreissen und verabschiedeten uns in Richtung Ausgang. Er: „Dann einen schönen Rest-Aufenthalt!“ Ich: „Vielleicht bis ein andermal. Ich würde es nicht ausschliessen!“ Er war offensichtlich amüsiert und verabschiedete sich von uns.
Zurück im Hotelzimmer schaltete Biggi den Fernseher ein, da sie erfahren hatte, dass Jan Amman und die Stuttgarter Sarah im Fernsehen singen würden. Die Beurteilung fiel geteilter Meinung aus. O-Ton Biggi: „Die Kostüme sind in Wien auf jeden Fall schöner und besser, aber… es ist Jan Ammann!“ Und ich muss zugeben, ich mag ihn in der Rolle. Und er sah richtiggehend furchterregend aus, selbst im Fernsehen. Fast so furchterregend wie Jack in Berlin…
09.10.10 – 10.10.10, Hello Dolly und „Carpe Noctem“…
Vorweg genommen, das war der schönste Tag unserer Reise – und das NICHT nur wegen Oliver! Wir machten uns recht früh auf den Weg, da wir ja auch früh ins Bett gegangen waren. Unser erstes Ziel war Schönbrunn. Und wir hätten uns keinen schöneren Tag wünschen können. Es entstanden rund 150 Bilder, nur vom Schloss und dem ganzen Park. Kurz gesagt: Es fehlte eigentlich nur das richtige Kostüm mit viel Bling Bling. Die passenden Ohrringe haben wir ja beide… *grins*
Um viertel nach sechs gings los Richtung Volksoper. Erste Reihe Mitte! Biggi bedankte sich schon im Voraus ironisch bei mir, was ich aber nur amüsiert zur Kenntnis nahm.
Die Show war lustig und ich amüsierte mich königlich über Sigrid, die eine wunderbare Dolly gab. Biggi machte am Ende der Show eine Bemerkung, dass Maike auch in die Rolle der Dolly Levi passen würde: „Die quatscht auch ohne Punkt und Komma!“ (nicht böse gemein, natürlich *zwinker*)
10.10.10 – Schlafen… und Vampire
Da wir erst nachts um halb fünf ins Bett gekommen waren, unternahmen wir an diesem Tag gar nichts! Um halb fünf machten wir uns auf den Weg zum Stephansplatz, wo wir noch was assen, bevor wir uns ins Ronacher setzten. Reihe 9 (11), Mittelblock, direkt am linken Mittelgang.
Es fing gut an, nämlich mit der Cast-Liste. Ausser Thomas Borchert und Gernot Kranner waren alle da. Dass Borchert nicht da war, machte mich überglücklich, da ich meinen Lieblingsgrafen noch mal sehen würde. Damit hatte ich gar nicht mehr gerechnet. Gernot vermisste ich, allerdings nur bis zu dem Augenblick, als Martin Planz auf die Bühne trat.
Martin war spitze als Professor. Und ich habe wieder einmal einen Abronsius gefunden, der seinen ganz eigenen Charme hat und den man einfach lieben MUSS. Er hat ausgezeichnete gesangliche Leistung gebracht. Besonders die schnellen Nummern waren extrem gut verständlich, besser als bei Gernot, der die Rolle immerhin erfunden hat. Der Schlusston von Wahrheit und der hohe Ton kamen satt und sicher. In der Gruft erlitt Abronsius wieder mal eine Herzattacke. Das hatte ich seit Deutschland nicht mehr erlebt. Das war an diesem Abend leider auch das einzige Highlight in der Gruft – was aber nicht an Martin lag.
Lukas enttäuschte mich (sorry für die klaren Worte). Seine Darstellung ging an mir vorbei. Ich finde gar nicht die richtigen Worte dafür, nur dass die Gruft mich an diesem Abend definitiv nicht zu Lachtränen rührte. Ich hatte das Gefühl, als hätte Lukas den totalen Blackout. Sein Ausdruck schien zu versagen und seine Bewegungen und Reaktionen kamen eigenartig verzögert. Am Montag war er dann wieder etwas besser, vielleicht hatte er also auch einfach nur einen schlechten Tag…
Marjan war gut und gab eine süsse Sarah, wenn mir auch immer noch die Erinnerung an Babs besser gefällt als die Erstbesetzung. Witzig war nach wie vor die Freiheit-Reprise: „Blut, Liebling, leck es ab!“ Biggi neben mir bekam ganz grosse Augen!
Marc als Herbert gefällt mir mit jeder Show besser. Heute vor allem deswegen, weil Biggi sich kaum noch halten konnte vor Lachen während „Wenn Liebe in dir ist“. Da wir uns gerne gegenseitig anstecken, kringelte ich mich also auch. Ausserdem haben wir den bei Herberts beleidigtem Abgang den totalen Lachanfall gekriegt. Am selben Morgen, während einem unserer „kurze-5-Minuten“-Anfälle hatte Biggi diese „Pfff“ nachgeahmt. Und da es selbst vom Tonfall her ganz ähnlich klang, ist es zum Running Gag geworden.
Und nun zum Herrn des Abends: Robert D. Marx! Ich hatte das unwahrscheinliche Glück, dass nach meiner Buchung, zwei Wochen vor der Abreise, bekannt wurde, dass Robert den Grafen spielen würde. Natürlich musste ich Biggi mitschleppen. Da sie mir in Sachen Tickets voll vertraute, entschied ich selber, was sich lohnen könnte. Und es hat sich ausgezahlt.
Nach diesem Abend muss ich sagen, dass Robert sämtliche Grafen, die ich je gesehen habe, übertrifft. Er sieht zum Fürchten aus. Da er ja zweimal direkt an mir vorbei ging, kann ich dies nun aus nächster Nähe beurteilen. Seine Darstellung der Rolle ist wunderbar. Sarkasmus, Gefühl, Wut, Blutgier, es war eine perfekte Mischung. Dazu die wunderbar volle, dunkle Stimme, einfach traumhaft! Die Unstillbare Gier war DAS Highlight der Show!
Die Dame des Abends war erneut Maike. Im ersten Akt fiel sie allerdings weniger auf, als im zweiten. Besonders gefreut hab ich mich diesmal auf Ewigkeit, da Maike direkt vor mir tanzte und ich freie Sicht hatte. Ausserdem ging sie an mir vorbei von der Bühne ab, was es mir erlaubt, mal einen genauen Blick auf ihr Kleid und die Schminke zu werfen. O-Ton Biggi: „Die Augen aufreissen kann sie…“ Ja, Maikes Gesichtsausdruck war amüsant, als sie an mir vorbei ging.
Ich muss ja zugeben, ich fand Ewigkeit auf der Aufnahme immer das schlechteste Lied von allen. Aber live mit der Choreografie und dem absolut geilen Schlusston von Frau Schmidt ist es einfach nur genial. (Mittlerweile erwische ich mich dabei, dass ich sogar in den Bewegungen mitgehe.)
Ebenso amüsant war der Ballsaal. Fast habe ich den „Running Gag“ vermisst, bei dem Maike vorneüber kippt und Nick ihr beim Aufrichten helfen muss. Das erübrigte sich allerdings, als Robert Marjan „biss“. Ich hatte mir fest vorgenommen, alles ausser Robert auszublenden. Aber Maike machte mir einen Strich durch die Rechnung.
Als Conny in Ohnmacht fiel, fächelte sie ihr nicht Luft zu, wie gewöhnlich, sondern unternahm Wiederbelebungsmassnahmen. Wie das bei einer (Un-)Toten wirken kann, ist mir ein Rätsel, aber Biggi und ich waren definitiv die einzigen, die sich im Theatersaal kringelten vor Lachen. Glücklicherweise habe ich in keinster Weise auf die Zuschauer um mich herum geachtet, sonst wären mir bestimmt ein paar böse Blicke aufgefallen.
Als Maike zum Finale in den Saal kam, hatten wir die Gelegenheit, ihre Stimme unverstärkt zu hören, da sie genau neben uns stehen blieb. O-Ton Biggi: „Die braucht kein Mikro mehr!“ Tja, Maike hat eben eine bewährte „Kreisch“-Stimme. (Sorry, Maike, aber der Ausdruck kommt von DIR…)
Das einzige, was ich schmerzlich vermisste, war der genialste Schlusston aller Zeiten bei Ewigkeit, denn der hohe Ton von Maike kam irgendwie nicht.
11.10.10 – Meine Lieblings-Rebecca und Biggis Lieblings-Prayer…
Am späten Morgen ging es Richtung Augustinerkirche und dann in die Hofburg, Sisi-Museum und Silberkammer. Und zwei Sisi-Fans hatten wieder mal eine Beschäftigung gefunden. So lange hatte ich mich noch nie in der Hofburg aufgehalten. Schon in der Hälfte des Museums, mit dem die Hofburg ja bekanntlich anfängt, schmerzten meine Füsse schon wieder.
Den ganzen Morgen hielt ich mich davon ab, ständig ungeduldig in Maikes Gästebuch zu klicken. Immerhin hatte sie gesagt, dass sie es erst um eins weiss, ob sie Rebecca spielt. Gut, der ungeduldigste Mensch der Welt, der ich nun einmal bin, wurde auf die Probe gestellt und ich habe allen Ernstes bestanden. Ok, zugegeben, ich hatte auf 13.30 Uhr ne Erinnerung im Handy eingestellt, aber bis zu diesem Zeitpunkt war ich nicht im Gästebuch (Ich seh dich schon den Kopf schütteln, Maike!!).
Um 13.30 sassen wir auf zwei Stühlen in dem Raum, wo das Kleid der Ungarischen Krönung 1867 (das fast-bühnen-identische) ausgestellt war und ich klickte ins Internet. Maike spielte die Rebecca. Ich war happy und Biggi erst recht! Dann meinte sie: „Hast du geguckt, wann sie es gepostet hat?“ Ich: „Nee, warte mal!“ klick noch mal rein und stelle fest, dass es bereits seit über zwei Stunden auf der Seite stand… Na, wenn ich mich dann einmal in Geduld übe…
Anschliessend dann ins Theater. Ich hatte erst irgendwie das Gefühl, ich sei zu warm angezogen. Nach der Show war ich dann aber plötzlich froh drum… *grins*
Die Castliste sah ähnlich aus wie am Tag davor. Anna war weg, dafür spielte Dora aus Ungarn die Rolle. Und natürlich meine Maike als Rebecca. Ich war gespannt auf Dora, die ich noch nie gesehen hatte.
Thomas war wieder da und ich fand ihn an diesem Abend nicht mal übel in seiner Paraderolle. Aber der Eindruck von Robert bleibt mir trotzdem in besserer Erinnerung.
Nach „Gott ist tot“ guckt Biggi mich an: „Naja…“ Ich musste mir ein Grinsen verkneifen. Aber sein letzter Ton im Finale 1. Akt war genial! Und seine Unstillbare Gier war richtig gut, das musste auch Biggi hinterher zugeben.
Dora als Magda – Tja… was sagt man dazu. Sie gefiel mir, ganz ohne Frage, sie hat die Rolle gut verkörpert, auch stimmlich gut. Allerdings empfand ich es als recht störend, dass sie so schlecht Deutsch spricht. Natürlich, sie ist Ungarin und von daher hat sie schon „schlechte“ Voraussetzungen. Aber es gibt andere Darsteller, denen man das auch nicht so krass anhört, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist.
Wegschmeissen konnten wir uns dann aber bei ihrem „Gesichtskontrolle!“ Dieser Akzent ist für diesen Spruch so wunderbar passend! Hinterher hat dann auch Maike erzählt, dass sie den total toll findet. Sonst… vielleicht müsste ich sie noch mal sehen, um sie besser beurteilen zu können. Einen Menschen zu beurteilen, den man nur einmal gesehen hat und nur von einer Seite kennt, ist glaube ich immer etwas unfair…
Was mir aber im Ballsaal auffiel: „Die sieht aus wie Sisi!!“ Biggi: „Was??“ Ich: „Dora!! Sie trägt die Sterne im Haar!!“ Maike bestätigte dann hinterher, dass sie alle entweder an Film- oder historische Figuren angelehnt sind.
Maike – Tja, was soll ich sagen, die Rebecca „meines Herzens“ stand auf der Bühne. Und ich hab es genossen!! Der erste Akt war ein einziger Traum! Prayer war das Highlight der Show und Biggi schmolz förmlich auf ihrem Stuhl! Ewigkeit war genial, als Maike vor uns aus dem Sarg stieg, kicherten Biggi und ich schon wieder los. Und im Ballsaal erst recht! Ausserdem war mein geliebter Schlusston von Ewigkeit wieder zu hören!
Beim Finale vermisste ich Maike einen Augenblick, bis ich realisierte, dass sie sich ja umziehen musste. Das ist der einzige Nachteil an der Rolle, dass sie da nicht dabei ist.
Nach der Show überlegte ich mir, dass ich das gar nicht in Erinnerung hatte, dass Maike bei meiner letzten Rebecca nicht im Finale war. Bis mir einfiel, dass ich bei der letzten Rebecca das Finale gar nicht gesehen hatte *flöt* Kein Wunder, konnte ich mich nicht dran erinnern.
12.10.10 – Adieu, Adieu!
So, und jetzt die versprochene Beurteilung zu Hello Dolly:
Also, wenn Oliver nicht gewesen wäre, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass mir dieser Klassiker gefallen könnte. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Es waren drei sehr lustige und amüsante Abende. Das Stück ist kurzweilig und viel zu schnell vorbei!
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