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Januar 2014 |
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Elisabeth – Der Letzte Tanz
Es war reines Glück, dass ich bei dieser Show dabei sein konnte. Am 21. Dezember dachte ich noch, dass der Abend mein letzter bei ‚Elisabeth‘ war. Entsprechend brachen an dem Abend auch alle Dämme.
Der 22. Januar sollte Oliver Arnos Derniere als ‚Tod‘ werden. Und nachdem ich bisher keine seiner ‚Elisabeth‘-Dernieren verpasst habe und ich wusste, was für ein ganz besonderer Abend das werden würde, war ich umso enttäuschter, dass diese Show ausgerechnet auf einen Mittwoch fiel. Meine Kollegin war im Urlaub und wir waren daher im Büro unterbesetzt. Meine Chancen, zwei Tage frei zu bekommen, waren gleich Null.
Doch dann kam mir der Gedanke, dass es schon mal geklappt hat, morgens mit dem ersten Flug zurück nach Zürich zu fliegen und direkt arbeiten zu gehen. Warum nicht diesmal? Und so bekniete ich meine Chefin, mir wenigstens den Mittwoch frei zu geben. Und es hat tatsächlich geklappt!! Ich konnte es selber kaum glauben.
Anschliessend blieben mir 29 Tage, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich ‚Elisabeth‘ das allerletzte Mal sehen würde. Es kam mir vor, als hätte ich das Finale im Dezember schon erlebt und würde jetzt auf eine perfekte Zugabe hinfiebern. Eine Zugabe, mit der ich nicht gerechnet hatte, und die ich dadurch umso mehr geniessen würde. Auch wenn ich erwartete, dass ich wieder so manche Träne vergiessen würde.
Doch das traf nicht ein!
Am Mittwochmorgen kam ich um 10.30 Uhr in Wien an. Da ich nur Handgepäck hatte, schaffte ich es sogar auf den CAT in die Stadtmitte. Schnell eingecheckt und dann auf die Mariahilfer Strasse, um das Nötigste zu besorgen, was ich standardmässig immer im günstigen Österreich besorge. Aus dem Nötigsten wurde eine richtige Shoppingtour und ich habe viel zu viel Geld ausgegeben – und mich am Tag danach um fünf Uhr morgens verflucht, weil die Tasche schwerer war als bei der Ankunft.
Dann ging es zurück ins Hotel, wo ich mir ausnahmsweise richtig Zeit liess für die Vorbereitung. Es sollte ein perfekter Abend werden und ich wurde bereits ein wenig andächtig, als ich die Sisi-Sterne in meine Ohren steckte.
Um sieben ging es zum Theater. Ich hatte am 23.12. glücklicherweise eine Karte in der 4. Reihe erstanden und war schon mehr als zufrieden mit diesem guten Platz. Durch Zufall klickte ich zwei Wochen später in die Fangruppe auf Facebook und entdeckte ein Posting, das eine Karte in der ersten Reihe anbot! Ich war der grösste Glückspilz der Welt! Natürlich musste ich die Karte haben, egal ob ich den Platz in der vierten Reihe loswurde oder nicht. Der war dann allerdings schnell weg J Und so tauschte ich vor der Show noch schnell Karten, ehe ich mich in die erste Reihe Mitte setzte.
Das war aus mehrerer Hinsicht eine gute Wahl. Es war meine erste und gleichzeitig letzte Show in der ersten Reihe im Raimund Theater bei ‚Elisabeth‘. Und ich beobachte gern Michael Römer beim Dirigieren. Zwar hat er mich etwas abgelenkt, das nehm ich ihm übel , aber es ist schön, dass er – und das ganze Orchester – immer so mit Leib und Seele bei der Sache ist. Das ist etwas, was ich ausserhalb Wiens immer vermissen werde. Selbst in London gibt es kein Orchester, das es mit den VBW aufnehmen könnte.
Die Show konnte losgehen und sie war perfekter, als ich es erwartet hatte. Einziger Schwachpunkt für mich war Wolfgang Postlbauer als ‚Franz Josef‘. Es tut mir total leid, aber seine Stimme gefällt mir nicht. Sein Schauspiel ist ok, aber ich habe ein wenig meinem Lieblings-‚Franzl‘ nachgetrauert, der ja leider nicht mal mehr in Wien war. Stattdessen stand als Fürst Schwarzenberg Robert D. Marx auf der Bühne, der mich mehr als einmal zum Lachen brachte (nur Laxenburg war mit Jörn eindeutig lustiger!).
Alles andere war einfach nur perfekt. Ich hatte mir wirklich gewünscht, in meiner letzten Show noch einmal Dagmar Hellberg als ‚Sophie‘ zu sehen. Kaum zu glauben, dass ich fünf Jahre brauchte, um meine Lieblings-Erzherzogin zu finden. Ich habe wirklich schon genug ‚Sophies‘ gesehen, aber so wie Dagmar war keine! Es war ein Genuss, ihr zuzuschauen und –hören, auch wenn ihre Stimme einmal mehr etwas angeschlagen klang. Und ich hoffe, dass ich sie bald wieder auf einer anderen Bühne sehen werde. Dagmar ist ein Mensch, der mir seit ‚Sister Act‘ echt ans Herz gewachsen ist – ich weiss noch nicht mal, warum.
Annemiekes Solo war unendlich berührend und wunderschön gesungen. Danke, Mieze, für diese wunderbare Show! Ich habe zwar jede der knapp 90 Shows mit dir genossen, aber das war ein wundervoller Abschluss. Ich wünsche dir von Herzen viel Glück für alles, was kommt. Wir sehen uns bei Arthur.
Kurosch Abbasi war das Tüpfelchen auf dem i an diesem Abend. Er war richtig gut in Form und hat mit unglaublich viel Energie gespielt. Danke, Kurosch, für diesen Abend! Danke für unseren Insider! Und danke für den Moment am Bühneneingang. Zum Glück haben Fans an der SD immer Stifte dabei – ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal einen in der Tasche hatte 
Der Star des Abends war aber natürlich ein anderer. Oliver Arno! Das Finale in Wien nach insgesamt acht Jahren ‚Elisabeth‘… Was soll man da noch sagen? Es war unendlich emotional. Sein letzter Tanz war ein einziges Fest. Er hat so offensichtlich jeden Augenblick ausgekostet, dass ich mich ständig bei amüsiertem Grinsen ertappt hab – obwohl ich eigentlich hätte traurig sein müssen. Er hat eine Spielfreude an den Tag gelegt, dass ich es mehr denn je genossen habe, ihm zuzuschauen.
Die Schlusstöne hat er so lange gehalten wie nie und er hat definitiv viel mehr Applaus bekommen als sonst. Wobei das nicht weiter verwunderlich ist, bei so viel Familie, wie er im Publikum hatte .
Ihn ein letztes Mal zu beobachten, hat einfach nur gut getan. Ich kam mir vor, als würde ich mir jede Bewegung einprägen, damit ich sie nie vergesse. Auch wenn da nach 46 Shows mit ihm in der Hauptrolle nicht wirklich ein Risiko besteht . Und mir wurde mal wieder bewusst, was für eine Entwicklung Oliver in der Rolle als ‚Tod‘ in den letzten sechs Jahren hingelegt hat. Ich würde gern die Zeit zurück drehen und mit meinem heutigen (geschulten) Blick noch mal die erste Show sehen, die ich mit Oliver als ‚Tod‘ erlebte. Irgendwie hab ich das Gefühl, ich könnte nicht mehr aufhören zu grinsen…
Beim ‚Schleier‘ wurde Oliver endlich bewusst, dass es die letzte Show war und dass es keine Wiederholung mehr gibt. Schon als er auf die Bühne kam, glitzerten seine Augen verdächtig. Doch ich hatte echt nicht erwartet, dass es ihn komplett umhaut! Annemieke kämpfte sichtlich, als Oliver plötzlich die Tränen übers Gesicht rannen. Und bei mir wurde es auch ziemlich eng. Die Szene war dadurch viel ergreifender als sonst. Und ich bin froh, dass ich diesen Moment erlebt habe – Gänsehaut pur!
Im Schlussapplaus war dann alles vorbei! Oliver fand seine Stimme nicht mehr für den letzten Ton. Aber das war nicht weiter verwunderlich, als das ganze Theater lauthals sang „Der Letzte Tanz gehört allein nur DIR“. Er hat improvisiert, auch wenn das gar nicht nötig gewesen wäre, da ich mich frage, ob irgendeiner diesen Ton gehört hat. Ich war erstaunt, dass der Saal nicht explodiert ist bei dem Tumult! Der ganze Saal schien ihn noch einmal so richtig zu feiern!
Nach dieser Show bin ich überzeugt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich bin ein wenig wehmütig, da ‚Elisabeth‘ fast sechs Jahre lang fester Bestandteil meines Lebens war – ich war ja zwischenzeitlich Teil des Inventars – aber es ist Zeit, aufzuhören. Und das sage ich nicht nur, weil mein Lieblings-‚Tod‘ seine letzte Vorstellung gespielt hat.
Für mich ist ein Punkt erreicht, an dem ich ‚Elisabeth‘ fast zu oft gesehen habe. Wenn ich mich selbst dabei erwische, dass die Show durch die Darsteller allein lebt, dann ist Vorsicht geboten. Natürlich geht es für mich immer um die Darsteller – sie sind der wichtigste Bestandteil und es wird jeder einzelne gebraucht, damit eine Show funktioniert. Aber es soll auch immer noch um das Stück selber gehen. Und bei ‚Elisabeth‘ war das für mich nicht mehr der Fall. Nach 105 Shows steht und fällt alles allein durch die Menschen, die auf der Bühne in der Hauptrolle stehen.
Und ich musste feststellen, dass Wien für mich nur noch ein Kompromiss war. Für mich war die Besetzung 2011/2012 perfekt! Es war die Zeit, in der ich die unmöglichsten Dinge angestellt habe, um dem Musical hinterher zu reisen. In der ich die tollsten Menschen kennen gelernt und die emotionalsten Shows erlebt habe (mit Ausnahme meiner allerletzten Show, natürlich ) Und ich habe viele meiner Lieblinge von Anfang an in Wien vermisst und konnte manchen neuen Gesichtern keine Chance geben, weil ich zu sehr an ‚meiner‘ alten Cast hing.
Deshalb höre ich jetzt auf die Alarmglocke. Wer weiss, wann und wo ‚Elisabeth‘ wieder gezeigt wird. Vielleicht habe ich in ein paar Monaten den Drang, es mir doch noch mal anzuschauen. Vielleicht dauert es aber auch ein paar Jahre, bis ich wieder bei ‚Elisabeth‘ anzutreffen bin. Dieses Musical wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Ohne ‚Elisabeth‘ wäre ich nie wirklich auf den Geschmack gekommen. ‚Elisabeth‘ ist das Musical, das mich süchtig gemacht hat. Und ich liebe diese Musik nach wie vor. Es ist ein Stück das berührt, fasziniert und mit seinen ständigen Tücken auch wirklich zum Lachen bringen kann. Gibt es ein anderes Stück, bei dem so oft etwas schief läuft oder nicht ganz so wie geplant? 
Wenn ‚Tod‘-Darsteller (wiederholt) die Feile vergessen. Wenn Requisiten schon vor dem Final Curtain Call verladen werden und die Irrenhaus-Szene mit zu wenig Stühlen gespielt werden muss. Wenn neue Requisiten und ‚Darsteller‘ auf der Bühne eingesetzt werden, die gar nicht dorthin gehören. Wenn eine Show mit fünf Scootern zu einer ‚Scooter-Party‘ wird, weil das so selten vorkommt…
Aber das Stück konnte ich auch wahnsinnig berühren. Immer wieder aufs Neue. Den Tag, an dem ich mich in ‚Elisabeth‘ verliebt habe, werde ich nie vergessen. Der Tag, als Martin Pasching mit seiner unvergleichlichen Stimme den ‚Tod‘ sang und ich kurz davor war, dahin zu schmelzen. Die Momente, in denen Annemieke auf der Bühne in Tränen ausbrach. Die einzigartige italienische Fassung von ‚Ich gehör nur mir‘ – vorzugsweise von Ann Christin Elverum. Marks gelegentliche eigenwillige und nie ganz erlaubte Interpretation des ‚Letzten Tanzes‘. Diverse Dernieren und Premieren, die mich zu Tränen rühren konnten…
Ich könnte ewig weiter aufzählen. Es gibt tausend Erinnerungen an diese sechs Jahre. Und ich bin sicher, dass kein Tag vergehen wird, an dem ich nicht in irgendeiner Form an die Zeit zurück denke – oder zumindest an die Menschen, die ich mit diesem Stück verbinde.
Das führt mich zu meinem letzten Dankeschön. Ein Dankeschön für ‚The Time of my Life‘!
Danke an Sylvester Levay und Michael Kunze, dass es dieses Musical überhaupt gibt.
Danke an die VBW, Peter Weck, Uwe Kröger und Pia Douwes dafür, dass sie dieses Musical berühmt gemacht haben.
Danke an Andrea Friedrichs und Torger Heitmann, die diese Produktion immer wieder auf Tournee schicken.
Danke an die diversen Orchestermitglieder der letzten Jahre, inklusive ‚DEM Trompeter‘.
Danke an alle, die hinter den Bühnen gearbeitet und geschwitzt, Pannen behoben und Souvenirs verkauft haben.
Danke an Maike Katrin Merkel, ohne die ich dieses Stück nie gesehen hätte und die mich in Zürich in das Genre Musical ‚eingeführt‘ hat.
Danke an all die anderen Darsteller, die im Laufe der Jahre dabei waren und mir ans Herz gewachsen sind: Annemieke van Dam, Ann Christin Elverum, Bruno Grassini, Martin Pasching, Markus Pol, Gernot Romic, Carin Filipcic, Patrick Stamme, Martin Markert, Lars Rindelaub, Cornelia Uttinger, Alice Macura, Martin „Rönnie“ Rönneberg, Jörn-Felix Alt, Mark Seibert, Claudie Reinhardt, Angela Hunkeler, Martin Planz, Dagmar Hellberg, Esther Hehl, Kurosch Abbasi und natürlich Oliver Arno!
Und Danke an jeden, den ich jetzt nicht namentlich nenne, aber der das Musical als Ensemblemitglied möglich gemacht hat. Durch euch wurde 'Elisabeth‘ zu meinem Lieblingsmusical. Ich wollte keine Sekunde mit euch allen missen! Ich wünsche euch alles Gute auf eurem Weg! Irgendwann, irgendwo werde ich euch bestimmt alle mal wieder sehen… |
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