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September 2013 |
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Die Reise war alles andere als kurzfristig geplant. Aber gebucht hatte ich erst, als die Spielpläne standen. Endlich würde ich Katja Berg wieder in einer Hauptrolle sehen. Und meine 98. Elisabeth-Show sollte was ganz Besonderes werden. Bis auf Franz Joseph und Frau Wolf würde ich komplette Tour-Cast sehen Und gegen Jörn als FJ hatte ich nichts einzuwenden.
Aber wie man plant und denkt, so kommt es ja bekanntlich nie . Ich sollte am besten von vorne anfangen.
Der Donnerstagabend war der absolut perfekte Auftakt in ein Wochenende, das anschliessend nicht mehr viel besser werden konnte. Ich sollte zum ersten Mal eine Zweitbesetzung in der Rolle der ‚Elle‘ sehen. Da ich durch und durch Babsi-Fan bin, wusste ich nicht, was ich davon halten sollte.
Aber für Katja wars das allemal wert. Denn Katja Berg spielte Vivienne. Und diese Rolle hat mir richtig gut gefallen – natürlich . Stimmlich war ich überrascht, dass sie etwas hinter meiner Erinnerung an Sanne zurück blieb. Aber ich hatte Sanne bisher nur zweimal gesehen und das ganz am Anfang. Also hatte ich nicht wirklich den direkten Vergleich. Schauspielerisch ist Katja absolut genial.
Ich habe ihretwegen zum ersten Mal wirklich auf Vivienne geachtet – wenn ich auch öfter mal den Fokus verloren habe. Und zum ersten Mal ist mir Viviennes Entwicklung aufgefallen. Sie steht immer wieder kurz davor, Warner die Meinung zu sagen, entscheidet sich dann aber jedes Mal um. Bis Elle von Callahan angemacht wird. Da traut sie sich endlich, den Mund aufzumachen und sich für die „richtige“ Seite zu entscheiden.
Zwei Tage später habe ich mit Sanne festgestellt, dass sie es fast gleich spielt. Aber Katja spielt mit mehr Mimik. Besonders die Szene im Haarsalon, wo ‚Elle‘ zur ‚Kostümparty‘ eingeladen wird, war sehr ironisch.
Adrianna Hicks spielte Pillar und war technisch wirklich gut. Aber mir fehlte Sidonie augenblicklich. Meiner Meinung nach hat Sidonie mehr Bühnenpräsenz und fällt mehr auf in der Riege der Delta-Nu-Girls. Aber ich gebe zu, dass das komplett subjektiv ist . Und ich gestehe: Als Richterin hat mich ihr Akzent immer gestört, weil ich nicht alles einwandfrei verstehen konnte. Und dank Janine Buck, die an diesem Abend Adriannas reguläre Rolle gespielt hat, hab ich jetzt alles verstanden .
Während der ganzen Show hatte ich stark den Eindruck, dass man die Proben spürt. Dass die ganze Show noch mal aufbereitet wurde, noch mal daran gearbeitet wurde zur Wiederaufnahme. Das Timing für Pointen kam mir oft präziser vor. Es kann aber auch einfach daran liegen, dass alle zwei Monate frei hatten und daher wieder erholt sind und frischer an die Show herangehen.
Fest steht, dass auch das eine Show ist, deren Pointen nie an Witz verlieren. Gut, einige vielleicht schon. „Ich krieg Muskelkater in meinem Hirn“ ist nicht mehr ganz so witzig wie am Anfang, einfach weil klar ist, was kommt. Aber Sprüche wie „Wo drückt der Puschel“, „Ich will die Damen nicht aufhalten“, „Müsst ihr Mädels immer im Rudel gehen“, Anouks „Ja bitte“ nach dem Knick und Pop im Gericht, die „Schwul oder Franzose“-Nummer… oder Anjas kleine Solo-Einlage, wenn sie das Buch auf dem Kopf hält…
Das Highlight des ersten Abends war aber Amélie Dobler. Sie spielte ‚Elle‘ und ich hatte sie vorher im Ensemble nie erkannt. Das hat sich an diesem Abend geändert. Sie ist eine super Besetzung für die Rolle. Und vor allem macht sie aus der Rolle ihre ganz eigene ‚Elle‘. Sie kopiert nicht die First Cast und interpretiert viele Textpassagen auf ihre ganz eigene Weise.
Dazu kommt, dass sie eine super Tänzerin ist. Wobei sie sich als ‚Elle‘ wohl etwas zurück gehalten hat, um nicht ausser Atem zu geraten. Am Samstag im Ensemble hat sie viel mehr Gas gegeben, was das Tanzen betrifft. Babsi tanzt ausgelassener als ‚Elle‘, aber die hat unterdessen auch genügend Übung.
Nach der Show blieb bei mir eine Frage offen: Ich hatte irgendwo gelesen, dass Amélie aus dem französischen Teil der Schweiz kommt. Aber auf der Bühne war kein Akzent zu hören. Also ging ich davon aus, dass Amélie mindestens Schweizerdeutsch als Zweitsprache kann und so Deutsch gelernt hat. Es gibt ja noch zwei oder drei andere, denen man die Herkunft nicht anhört . Doch Amélie klärte die Frage nach der Show, dass sie zwar schweizerdeutsche Familienangehörige hat und es ab und zu hört, aber dass sie es selber kaum spricht. Jedenfalls blieb sie diesmal lieber beim Hochdeutsch – weil ich leider nur das Nötigste an Französisch kann.
Es wurde spät und so stand ich am nächsten Morgen auch später als geplant auf. Trotzdem machte ich mich dann auf den Weg nach Schönbrunn, wo ich besseres Wetter hatte, als geplant gewesen war. Zwischendurch riss der Himmel minutenlang auf und so wanderte ich zur Gloriette hinauf, wo ich mir einen Kaiserschmarrn gönnte. Einmal musste dieses totale Touristen-Klischee sein, in dem leicht überteuerten Café zu essen.
Und da traf mich dann auch der erste Schlag: Oliver hatte sich am Tag verletzt und würde die Abendshow nicht spielen. Gernot hatte aufgrund Krankheitswelle seine ‚Rudolf‘-Show zurück geben müssen. Das bedeutete, dass Jörn auch nicht ‚FJ‘ spielen würde. Denn wenn nur einer von beiden im Ensemble gebraucht wurde, hätte eher Gernot seine Show bekommen, da er schon einmal hatte absagen müssen.
Das bedeutete, dass drei der vier Leute, die ich unbedingt sehen wollte, nicht so auf der Bühne standen wie sie sollten. Mir zerrann buchstäblich meine Traumcast in den Händen. Das hatte erst einmal einen mittleren Schock zur Folge. Lukas Perman mochte ich noch nie. Und Rory hatte mich beim letzten Mal nicht wirklich überzeugt als ‚Tod‘ (siehe Bericht März 2013).
Was diese Krankheitswelle für Ausmasse hat, wurde mir aber erst bewusst, als ich in der Show sass. Schon die Castliste verwirrte mich. Bettina Bogdany als ‚Wolf‘?? Die hatte bisher gar kein solches Cover. Aber Caroline Sommer stand aus unerfindlichen Gründen als ‚Esterhazy‘ auf der Liste. Franziskus Hartenstein war wie erwartet da und es war nur noch die Kombination Annemieke-Kurosch-Linda, die mir von der erhofften Besetzung blieb. Dass es eine heftige Damen-Cut-Show wurde, fiel mir erst während dem ersten Akt auf:
Die Bühne wirkte im Prolog etwas leer, aber da die Wiener von Grund auf mehr Leute auf der Bühne haben, fiel es mir im ersten Augenblick nicht mal auf. Denn sie wussten sich zu verteilen. ‚Schön euch alle zu sehen‘ wirkte auch noch so, wie es sollte. Hier fiel mir zum ersten Mal Esther Hehl auf. Ich hatte schon im Voraus beinahe Freudensprünge gemacht, dass Esther in Wien für ein paar Monate dabei ist. Ich habe sie ewig nicht mehr gesehen. Es war richtig schön, sie wieder auf der Bühne zu haben.
Bei ‚Jedem gibt er das Seine‘ wurde ich zum ersten Mal auf den Cut aufmerksam. ‚Eine Mutter‘ wurde auch von Bettina gespielt. Hinterher meinte sie: „Ich habe heute alle Mütter gespielt.“ Sie hat bewusst ihr Gesicht vom Publikum weggedreht. Es ist wohl keinem aufgefallen. Aber ihre Stimme kenne ich gut genug, um sie zu erkennen.
In der nächsten Szene war Bettina dann wieder – als wäre nichts gewesen – als Ludovika auf der Bühne. Marle ist als ‚Helene‘ nachgerückt und machte ihre Sache gut. Ich hoffe, dass ich sie mal als ‚Elisabeth‘ sehe. Das kann ich mir nicht entgehen lassen!
Der Hochzeitswalzer wurde dann wieder sondergleichen eigenartig. Statt abzugehen blieb Bettina als Ludovika auf der Bühne für den Tanz. Und da waren nur sechs Tanzpaare obwohl da eigentlich acht sein sollten. Aber da zu wenige Frauen auf der Bühne standen, konnten sie schlecht zwei Männer miteinander tanzen lassen .
Im Verlauf des Abends war Bettina dann auch noch eine Hofdame – ist überhaupt nicht aufgefallen . Und dabei fiel mir automatisch ein, was Maike vor Ewigkeiten mal erzählt hatte: Dass Ludovika eigentlich eine Hofdame sein sollte, bis der Regisseur meinte, es sehe eigenartig aus, wenn Elisabeths Mutter plötzlich zum Hofstaat gehört.
Aber an diesem Abend wurden alle verfügbaren Augen zugedrückt und die Damen des Ensembles sprangen von einer Rolle zur nächsten, um alle auszufüllen. Was das betrifft, würde ich sagen, ‚erfolgreich bestanden‘. Denn dem normalen Publikum dürfte nicht aufgefallen sein, was das für ein Stress hinter der Bühne war – und ich hätte wieder einmal gern Mäuschen gespielt, um zu sehen, was während so einer Show auf der Hinter- und Seitenbühne abgeht.
In den Hauptrollen genoss ich Kurosch und Annemieke besonders. Linda war wie gewohnt fantastisch in ihrer Rolle als Sophie. Hier hatte ich aber schon im Vorfeld feststellen müssen, dass mir Dagmar trotz allem abgehen wird.
Lukas Perman als ‚Rudolf‘ – schwierige Sache. Einerseits war da das Schauspiel, das echt gut war. Ich hab ihn zwar ausser in seinen Solo-Szenen nirgends erkannt, ich hab aber auch nicht auf ihn geachtet. Es war endlich mal eine Rolle, die er mit genügend Mimik spielt. Da kommt rüber, was er empfindet – allerdings hatte er seit 2003 auch mehr als genug Gelegenheit, das zu proben.
Stimmlich war es nicht direkt schlecht, aber auch nicht der beste Rudolf, den ich je gehört habe (Und nein, ich denke dabei nicht nur an ‚meinen‘ Rudolf, sondern unter anderem auch an Gernot). Für mich war besonders in seinem Solo zu wenig Steigerung zu erkennen. Nach „Mama ich brauch dich“ muss man dieser Stimme anhören, wie verzweifelt er ist. Und das war in meinen Ohren zu wenig der Fall.
Rory Six ist ausserdem noch einmal eine Erwähnung wert. Wer meinen letzten Bericht gelesen hat, der weiss, dass er mir nicht vorbehaltlos gefallen hat. Ich glaube, ich habe ihn insgesamt als blass und unentschlossen bezeichnet, was die Interpretation der Rolle betrifft. So ganz entschieden hat er sich wohl noch immer nicht.
Im ersten Akt ist es mir besonders aufgefallen, wie er einige Szenen fast aggressiv und andere enorm sanft gespielt hat. So ganz passt das nicht zusammen. Gleichzeitig passt sein Aussehen nicht zu der leicht arroganten Darstellung, wie es z.B. Mark und Oli machen. Er braucht noch einen roten Faden für seine Darstellung des ersten Teils.
Der zweite Akt war dann schon besser. Abgesehen von einem argen Textfehler bei ‚Wenn ich tanzen will‘, wo er einen ganzen Absatz verdreht hat, hat es mir wirklich gut gefallen. Er ist grober und kaltherziger als die anderen Darsteller und das passt irgendwie auch zu ihm. Dieses unterschwellig Böse ist ein guter Weg für ihn – und er schien sich damit auch wohl zu fühlen. Wenn er so weitermacht, hat er den Bogen bis zur Derniere raus – und dann möchte ich ihn noch einmal sehen, um die Entwicklung zu geniessen .
Und mir ist aufgefallen – so blöd es jetzt klingen mag –, dass er der dritte dunkelhaarige ‚Tod‘ ist, der es so macht. So haben es auch Carl und Felix gespielt, während die blonden ‚Tode‘ eher auf die Verführer-Schiene setzen. Aber das ist wohl nur ein Zufall.
Es wurde nicht ganz so spät wie am Abend davor, trotzdem habe ich am Samstag nicht viel mehr unternommen, als einmal die Mariahilferstrasse hinauf und hinunter zu spazieren. Danach ging es zur Führung im Ronacher. Zwar ist die Bühne nichts Neues mehr, genauso wenig wie die Geschichte des Hauses. Aber die Requisiten, Bühnenbilder und Kostüme sind dennoch neu und interessant.
Zudem hatten wir wieder einmal diesen super Führer, von dem ich bis Freitagabend an der Abendkasse vom Raimund gar nicht wusste, dass er
noch da arbeitet. Meine zweite Führung bei den Vampiren hatte er gemacht und er erinnert mich so rein äusserlich ein wenig an Bully Herbig – und er ist auch ein halber Comedian. Jedenfalls hat die Führung nie so viel Spass gemacht wie mit ihm – und war auch selten so ausführlich Entsprechend kamen wir dann auch 15 Minuten später als geplant wieder aus dem Theater.
Abends ging es dann noch einmal in die Show. Meine Babsi war zurück und wieder in Hochform. Genauso Sidonie. Und ich freute mich, wieder mal Sanne Mieloo als ‚Vivienne‘ zu sehen, nachdem sie in den vergangenen Shows nie da gewesen war. Ihre Stimme ist unschlagbar.
Ein neues Gesicht gab es aber auch diesmal zu sehen. Björn Klein als Emmett Forest. Fantastisch! Stimmlich super, sieht gut aus und harmonierte mit Barbara wunderbar. Anders als Jörg, aber das ist ja nichts Schlechtes . Da gab es einige andere Wortwitze, die er besser hervorgehoben hat. Oder zumindest anders. Und so hat er seinen eigenen Emmett gefunden. Mal sehen, ob ich noch einmal eine Chance auf eine Show mit ihm habe.
Anna Carina Buchegger hat Margot gespielt, da Anja eine Off-Show hatte. Ich war sehr gespannt darauf. Anja spielt das dumme Blondchen definitiv dümmer. Aber Anna Carina hat mir auch gefallen. Wobei gewisse Sprüche nicht so ganz ankamen. Vielleicht liegt aber auch das meiner Subjektivität, sobald es um Anja geht .
Der Abend war irgendwie zu schnell vorbei und am nächsten Morgen um 9.50 Uhr flog ich schon wieder zurück. Also blieb nicht mehr viel Zeit übrig, um viel zu unternehmen. Aber das hole ich beim nächsten Aufenthalt nach . Dann gibt’s Elisabeth, Love Never Dies und Catch me if you can.
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